Altes Porzellan neu in Gang gesetzt – Kaestner Porzellan aus Zwickau

Porzellan-in-Gang-gesetzt

Die Porzellanfabrik  „Friedrich Kaestner“ aus Oberhohndorf

Vergangenes in der Zukunft bewahren ….

Die Industriealisierung im 19. und 20. Jahrhundert verhalf dem kleinen Agrar- und Bergbaustädtchen Zwickau zu Aufschwung und wirtschaftlicher Blüte. Zur damaligen Zeit gehörte die Kaestner-Familie zu den wohlhabenden Kohlengrubenbesitzern im Umland. Zeitgeist und vorausschauend, den wirtschaftlichen Aufschwung erkennend und damit auch die wachsenden Bedürfnisse der Bevölkerung, wurde 1882/83 unter Leitung eines Sohnes der Familie Friedrich Kaestner, die gleichnamige Porzellanfabrik gebaut und gegründet. Eine Symbiose von schwarzem Gold, der Steinkohle und dem weißen Gold, dem Porzellan, hatte wesentlichen Einfluss auf die Industrielandschaft Zwickaus. Schnell wuchs die Zahl der Arbeiter der Porzellanmanufaktur auf ca. 180 Beschäftigte. Somit wurde die Manufaktur zu einem wichtigen Arbeitgeber der Region. Zwei weitere Porzellanfabriken etablierten sich im Raum Zwickau; die Kaestnersche-Fabrik blieb die bedeutendste unter ihnen.

Friedrich Kaestner hatte sich zum Ziel gesetzt, ganz besonders den Geschmack und die Wünsche des aufstrebenden Bürgertums mit seinem Geschirr zu bedienen. Zweckmäßigkeit, einfache Formgebung, schlichte schöne Dekors und gute Scherbenqualität waren die Standards, die schnell einen großen Kundenkreis im In- und Ausland begeisterten. Zu sehen an vielen Einzelexponaten in der Ausstellung, die auch heute noch von Formenschönheit und Zeitgeist zeugen.

Die Geschirrproduktion der Kaestnerschen Manufaktur wurde im Verlauf der Jahrzehnte von verschiedenen Kunstrichtungen, Mal- und Gestaltungstechniken beeinflusst. Genannt sei hier Jugendstil und die Kopenhagener Unterglasurmalerei. Das Wirken des Zwickauer Porzellanmalers Albert Schwarz bei Kaestner beeinflusste zwischen 1920 und 1930 besonders die figürliche Porzellangestaltung (Leuchterengel). Eine Zusammenarbeit mit dem Bunzlauer Formgestalter Prof. Artur Hennig verhalf dem Unternehmen um 1930 zu weiterer Blüte. Neue Porzellanformen und Dekors bestimmten die Geschirrherstellung, eine Erweiterung der Produktionshallen wurde nötig, die Beschäftigtenzahl stieg auf über 300 Arbeiter.

Das internationale Ansehen der „Kaestner“-Porzellane erlebte nun eine Glanzzeit. Erinnern Sie sich?, das Porzellan aus Oberhohndorf hätte eigentlich den Beinamen „Königliches Porzellan“ verdient. Das kam so: Im Jahr 1930 zeigte das dänische Königshaus großes Interesse an einer umfangreichen Lieferung von Tafelgeschirr und der isländische Staat ließ im gleichen Zeitraum Jubiläumsgeschirr anlässlich der 1000 Jahrfeier Islands in der Kaestnerschen Manufaktur fertigen.

Nach den Wirren des II. Weltkrieges verlor die Porzellanfabrik mehr und mehr an Bedeutung. Es erfolgten die Umwandlung in eine GmbH, später in eine KG mit staatlicher Beteiligung und dann der Anschluss an das Porzellankombinat Colditz.

Ende der 60ziger Jahre stellte man die eigene Produktion ein und fungierte als Zulieferer, vorwiegend für die Freiberger Porzellanfabrik. So überlebte das Unternehmen bis 1971. Im Juli des gleichen Jahres vollzog man die Liquidation der Firma. Am Jahresende 1971 gab es keine Angestellten der Friedrich-Kaestner-KG mehr. Eine Ära war zu Ende.

Grund genug, das weiße Gold aus Oberhohndorf zu sammeln, zu bewahren und als kulturhistorisches Erbe in die Zukunft weiter zu tragen.

Helmut Günther

 

Aus der Publikation “Porzellan in Gang gesetzt” zum 100-jährigen Jubiläum der Bäckerei Tauber Oberndorf

Auszug aus der Publikation

Impressum und Quellenangaben der Publikation

Gesamtredaktion: Lutz Schmid Zwickau    •    Satz, Gestaltung, Fotobearbeitung und -composing: BEURICH Grafik&MedienDesign Plauen    •    Ansicht Porzellanfabrik: Familie Ehrler Oberhohndorf

Literaturangaben: Seite 2    1. Bestandskatalog Porzellan 1993 Bröhan-Museum    2. Ausstellungskatalog Porzellan aus Zwickau  Friedrich Kaestner, Firmen- u. Stilgeschichte Stadtmuseum Zwickau 2000

 

 

 

  

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